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Erfahrungsbericht: Demonstration gegen NPD-Fackelmarsch

Zum Gedenken an den Bombenangriff auf Stralsund im Jahre 1944 fand am Samstag in meiner Heimatstadt ein Trauer- und Gedenkmarsch der NPD statt. Rund 100 Nazis wurden von mehreren Hundertschaften der Polizei vom Bahnhof aus durch die Innenstadt geführt. Der Verbund „Stralsund Nazifrei. gegen den Fackelmarsch der NPD und für Demokratie und Toleranz“ organisierten mehrere Mahnwachen und Proteste. Ich war bei der Gegendemonstration dabei und berichte hier über meine Erfahrungen:

Zuerst bin ich zur Jacobi-Kirche gegangen, dort sollte ein Friedensfest stattfinden. Bei Bratwurst, Zuckerwatte und Getränken wurde hier friedlich für ein buntes Stralsund demonstriert. Überall sah man Leute, aber keiner wusste genau wohin. Nachdem ich noch mal kurz daheim war – ich wollte ohne Tasche raus, folgte ich später einer größeren Gruppe in Richtung Theater und dort standen auch recht viele Menschen. Ich kannte die geplante Route des Fackelmarsches nicht, doch ich erkannte, dass der Kreisel am Theater wohl ein wichtiger Knotenpunkt war. Von dort aus konnte man auch zum Bürgergarten rüberschauen, wo es ebenfalls eine Aktion gegen den NPD-Gedenkmarsch gab. Es versammelten sich am Kreisel immer mehr Gegendemonstranten und blockierten die Route. Ebenfalls wurde die Anzahl der Polizisten immer größer. Die NPD-Anhänger stoppten ihren Marsch nahe des Kreisels und wurden unter lautem Protest der Gegendemonstranten  letzendlich von der Polizei entlang der Sarnowstraße in Richtung Sundpromenade umgeleitet. Als Anwohner, ich zeigte einem Polizisten meinen Ausweis, konnte ich mich der Menschentraube entfernen, um dem Gedenkmarsch entgegenzustellen. Die anderen Demonstranten wurden eingekreist und durften nicht weiter. Später konnten diese doch der Polizeiblockade durchbrechen. Mit immer weiteren kleineren Blockaden versuchten die NPD-Gegner den Gedenkmarsch zu stoppen, doch die Nazis konnten auf dem Alten Markt Ihre Reden schwingen, hatten auf dem Neuen Markt allerdings keine Zeit mehr, um einen Kranz niederzulegen.

In den Medien las ich später, dass die massive Polizeigewalt gegenüber den Gegendemonstranten unverhältnismäßig brutal war und absolut nicht angebracht war. Ich muss leider bestätigen, dass einige Polizisten schubsten und aggressiver wurden, teils auch gegen sehr friedliche – wie mich – Demonstranten. Allerdings muss ich auch sagen, dass diese Aggressivität von der Antifa auch provoziert wurden. Einige von ihnen beleidigten und schubsten Polizisten oder sprangen in die Reihen. Ich vermute, viele Polizisten waren schon häufiger auf Demonstrationen eingesetzt und wissen, in wie weit solche Aktionen ausufern können. Eine aggressive Grundhaltung dient vielleicht dem Zweck zur Abschreckung: „Mit mir ist nicht zu spaßen!“. In einigen Gesichtern der Beamten konnte man erkennen, dass sie mit der Anzahl der Gegendemonstranten überfordert waren. Wenn dort ein Arm hochgerissen wird, um den Nazis den Mittelfinger zu zeigen, kann dies aus dem Augenwinkel des Polizisten auch schnell als Angriff mit der Faust gewertet werden. Zwei Polizisten fragte ich, ob sie das gerne machen. „Was? Unseren Job?“ – „Nein, solche [ich zeigte auf den Fackelmarsch] zu schützen!“ – Nach kurzer Überlegung antwortete der eine: „Menschen haben Grundrechte, egal welcher Partei sie angehören!“ Das ist natürlich korrekt und die diplomatischteste Antwort, die er geben konnte, aber man konnte ihm es anmerken, dass es nicht sein liebster Einsatz war.

Erwähnen möchte ich auch noch kurz, dass die NPD-Mitglieder und deren Anhänger ihren Fackelmarsch (nahezu*) friedlich durchgezogen haben. Das Motto des Gedenkmarsch lautete laut NPD: „Gegen Krieg und Völkermord – Nein zur NATO-Aggressionspolitik – Nein zum Krieg gegen Rußland! Für ein würdiges Gedenken an die über 800 Opfer des amerikanischen Terroraktes“. An sich durchaus legitim. Gerade das mit der Russland-Politik begrüße ich sogar, da ich glaube, dass die Medien uns ein ganz falsches Bild von dem Russland(Seperatisten)-Ukrainischen-Krieg zeigen. Dagegen find ich den Trauermarsch zum Gedenken an die Opfer der Bombardierung Stralsund schon fast sarkastisch, wenn man bedenkt, wer den Krieg angefangen hat.

„Stralsund bleibt bunt“ hieß es eigentlich, daher verstehe ich auch nicht, dass die meisten Gegendemonstranten sich komplett in Schwarz kleiden, mit dunkler Sonnenbrille und hochgezogenem Tuch in der Menge stehen. Natürlich dient dies zur Vermummung, um nicht erkannt zu werden, da die Polizei auch gefilmt hat. Ich bin mit meiner beerefarbenden Hose und der orangenen Jacke bestimmt hervorragend aufgefallen. Ich hab allerdings auch friedlich demonstriert, von daher war es mir egal, ob man mich identifizieren kann. Bei den antifaschistischen Anhängern kam es aufgrund des Verstoßes gegen das Vermummungsverbotes auch zu Festnahmen. Berechtigt meiner Meinung nach. Außerdem, wer sich nichts zu schulden kommen lässt, muss sich auch nicht verstecken. Ich kann mich weder für die Nationalisten noch für die Linken begeistern, beide Seiten sind mir viel zu intolerant.

*Ich las was von Verhaftung zweier Nazis, weiß den Grund dafür aber nicht.

Autor: Uli

Ich bin Uli, eine Hansestädterin mit der Leidenschaft für Wasser. Diese Leidenschaft möchte ich gern zu meinem Beruf machen und studiere nach Landschaftsökologie & Naturschutz (Bachelor) nun Biodiversität & Ökologie (Master) mit der Spezialisierung auf Gewässerökologie. =) Ihr erfahrt hier vieles über mich, mein Leben und was mich so bewegt! Begleitet mich auch auf den sozialen Netzwerken: Twitter | Facebook | Instagram | Google+ | Flickr | YouTube | Pinterest | Foursquare

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